Wilder Atlantik und schwarze Flüsse, Guinness und Lebensfreude

Mutlangen, 27.09.2018

Sieben Tage lang auf der „Grünen Insel“ auf Entdeckungstour gehen – das war das Programm der Reise, organisiert von der Raiffeisenbank Mutlangen für Mitglieder und Kunden und begleitet durch Karl-Gerhard Berroth, die 40 Teilnehmer quer durch Irland führte. Von Dublin, im Osten Irlands gelegen, führte der Weg nach Westen auf die Dingle-Halbinsel, man befuhr den Ring of Kerry, nordwärts über Galway ins Connemara-Gebiet und beschloss den Bogen zurück nach Dublin über die Klosteranlage von Clonmacnoise.

Wie tat es den Augen wohl, nach dem heißen deutschen Sommer, der Vieles vertrocknen ließ, das saftige Grün der Wiesen, die durch Steinmauern in Parzellen eingeteilt sind, zu sehen! Erstaunt erfuhren die Besucher im Dörfchen Upperchurch jedoch, dass die Trockenheit sogar Irlands Torfabbau ins Stocken geraten ließ. Die Demonstration des Torfabbaus musste entfallen, dafür erklärte die kleine Dorfgemeinschaft das Nationalspiel „Hurling“, irische Folklore-Instrumente und typische irische Tanzschritte. Dies war eine sehr gute Einstimmung auf den Showabend der „Celtic Steps“, die irische Musik, Gesang und Tanz auf höchstem Niveau in Killarney präsentierten.

Irland punktet in erster Linie durch seine atemberaubende Landschaft. Beeindruckende Meeresklippen auf der Dingle-Halbinsel und entlang des „Ring of Kerry“ verpflichteten zu vielen Fotostopps, wobei der Wilde Atlantik mit Windgebraus nicht sparte und die Haare heftig zerzauste. Die über 200 Meter in den tosenden Atlantik steil abfallenden Cliffs of Moher muss man erlebt haben – beeindruckendes Panorama, extrem starke Windböen und alle zehn Minuten wechselten sich Sonnenschein und Regenschauer ab. Paradiesische Ruhe hingegen im Connemara – malerische Torfheide, von schwarze Flüssen durchzogen – und im bizarren, weißen Karstgebiet des Burren.  Auf den Wiesen weiden unzählige Rinder- und Schafherden. Eine besonderes Erlebnis war der Besuch bei Schäfer Brandon, der auf sehr humorvolle und unterhaltsame Weise erklärte, wie er seine Hütehunde abrichtet, damit sie die weit im Gelände verstreut grasenden Tiere zusammentreiben können.

Quirrliges Leben herrschte in den Straßen von Galway und Dublin; viele kleine Geschäfte, Straßenmusikanten, und an jeder Ecke ein Pub, der zum Irish Coffee oder zum Guinness-Bier einlud.
Zeugen der fast 1000-jährigen irischen Geschichte sind die unzähligen Burgen, Ruinen und Kathedralen des Landes. Die Reisenden erfuhren von der früheren Rivalität der irischen Clans, von der Eroberung durch den englischen König Heinrich II. im 12. Jahrhundert und vom langen, letztendlich erfolgreichen Befreiungskampf. Die große Hungersnot des 19. Jahrhunderts hatte zu einer Auswanderungswelle geführt, und auch mit der in Belfast gebauten Titanic gingen 1912 viele Iren unter, die sich in der Neuen Welt ein besseres Leben für sich und ihre Kinder erhofft hatten. Der Schutzheilige der Iren, Sankt Patrick, hatte es im 5. Jahrhundert verstanden, den Kelten auf friedliche Weise das Christentum näher zu bringen. So findet man auch heute noch die keltischen Hochkreuze in der Nähe christlicher Kirchen, viele Elemente des alten Glaubens wurden in die neuzeitliche Religion übernommen.

Die Reisenden erfuhren nicht nur geschichtlich-historisches, sondern auch die kulinarischen Besonderheiten des europäischen Nachbarn. Wer wollte, konnte jeden Tag eines der köstlichen Fischgerichte genießen, wobei einmal „Fish and Chips“ eigentlich schon verpflichtend waren. Schnell hatte man sich auch mit den „Scones“ angefreundet, ein spezielles Brötchen, das mit Butter, Marmelade und Sahne serviert wird. Die Bierauswahl an den Zapfhähnen der Pubs hatte so manchen Besucher beeindruckt – von blond über rot bis dunkelbraun war der Gerstensaft, und schnell hatte jeder seine Lieblingssorte herausgefunden.

Die Mutlanger Reisegruppe wurde von der örtlichen Reiseleiterin mit viel Sachkenntnis durch Irland geführt, und ein ganz besonderer Glücksfall war es, vom „singing and whistling bus driver“ chauffiert zu werden. Dank ihm erschall am Denkmal der Molly Malone in Dublin „Alive, alive, oh, crying cockles and mussels alive, alive, oh“ – die Besucher aus Deutschland hatten sich definitiv von der irischen Lebensfreude anstecken lassen.